Pestalozzi-Schule

Tiergestützte Pädagogik an der Pestalozzi-Schule

Seit über 30 Jahren ist der Einsatz von Tieren fester Bestandteil des Unterrichts an unserer Schule. Die Gestaltung des Unterrichts nach Prinzipien der tiergestützten Pädagogik beinhaltet alle Maßnahmen, bei denen durch den gezielten Einsatz von Tieren positive Auswirkungen auf das Erleben und das Verhalten unserer Schülerinnen und Schüler intendiert werden. Zusätzlich werden verschiedene Techniken aus den Bereichen der Interaktion und Kommunikation, der basalen Stimulation und der Lernpsychologie eingesetzt.

Im Laufe der Jahre haben Ziegen, Schafe, Hühner, Gänse, Hunde, Pferde, Meerschweinchen, Schildkröten und Fische die Lehrerinnen und Lehrer bei der Förderung der Schülerinnen und Schüler unterstützt. Zum jetzigen Zeitpunkt (2018) „arbeiten“ an unserer Schule Kaninchen und ein Hund als tierische Helfer im Unterricht in unterschiedlichen Klassen.

Auf basal-sinnlicher Ebene erfahren (schwerstbehinderte) Schülerinnen und Schüler ungewohnte Eindrücke (Geräusche, Gerüche, Wettereinflüsse, taktile Erfahrungen mit Fell, Heu, Stroh usw.). Sie können mit den Tieren auf verschiedene Weise Kontakt aufnehmen (beobachten, hören, riechen, streicheln, füttern usw.). Der Umgang  mit den Tieren wirkt beziehungsstabilisierend und  fördert Regelakzeptanz, Selbstkontrolle, Empathie, Vertrauen, Selbstwertgefühl und soziale Kompetenz. Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit und Kontinuität als unabdingbare Voraussetzungen bei der Haltung von Tieren werden gefordert und gefördert. Die Verknüpfung mit Bewegungsförderung bietet die Chance, die Kinder und Jugendlichen für körperliche Aktivitäten zu motivieren.

Der kontinuierliche Umgang mit den Tieren über einen langen Zeitraum (Jahresrhythmus) ermöglicht den Schülerinnen und Schülern die konkrete Auseinandersetzung mit biologischen Themen wie Unterschiede und Ähnlichkeiten verschiedener Tierarten, Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Tier, Fortpflanzung, Trächtigkeit, Geburt, Krankheit und Tod. Die Verknüpfung mit Umweltbildung bietet das Potential, bei den Schülerinnen und Schülern Umweltbewusstsein aufzubauen und sie zu nachhaltigem Handeln anzuleiten. So gehören die Kaninchen an unserer Schule zur Rasse der „Lux Rex“,  einer robusten Kleintierrasse, die besonders flauschig und zutraulich ist. Die große Physis der Tiere (6-7 kg) vermittelt den Schülerinnen und Schülern Sicherheit im Umgang mit ihnen. In der Gestalteten Freizeit haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit in Begleitung eines Erwachsenen die Tiere zu beobachten, zu streicheln und zu füttern.

Fünf Primarstufenklassen  mit dem Schwerpunkt „Tierpflege und Naturerlebnis“ bietet der tägliche Kontakt zu den Kaninchen, ihre Versorgung und die Pflege und Unterhaltung des Stallgebäudes, des Geheges und der Ausläufe allen Schülerinnen und Schülern unterschiedlichste Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten und ermöglicht authentische Arbeitserfahrungen. Die Versorgung der Tiere bietet authentische Arbeitsfelder, in denen sich die Notwendigkeit der Arbeiten für die Schülerinnen und Schüler sozusagen „selbst erklärt“ und Konsequenzen eigenen Verhaltens oder auch von Fehlern unmittelbar erfahrbar werden. 

Einen besonderen Stellenwert in der Reihe tierischer Helfer haben auch immer wieder Hunde, die über viele Jahre regelmäßig die Schule, verschiedene Klassen und Gruppen besuchen.

Zur Zeit besucht uns 1-2 mal wöchentlich ein Golden Retriever, der vorwiegend in den Unterricht einer Primarstufe integriert wird und eine Gruppe Schülerinnen und Schüler, die einen besonderen Förderbedarf haben, das soziale Miteinander zu üben, begleitet. In der Gestalteten Freizeit haben auch die Schülerinnen und Schüler anderer Klassen die Gelegenheit Kontakt zu dem Hund aufzunehmen, ihn zu streicheln und mit  ihm zu spielen.

Der Hund wurde von seiner Hundeführerin ausgebildet und auf die Anforderungen in unserer Schule vorbereitet. Dementsprechend lernte er schon im Welpenalter das Lernumfeld in unserer Schule mit seinen spezifischen Besonderheiten kennen. Dazu gehören besondere optische und akustische Reize wie laute Geräusche, Schreien oder auch Rollstühle, Rollatoren und andere Fortbewegungshilfen. Auch die Gewöhnung an eventuell auffällige und unvorhersehbare Bewegungs- und Verhaltensmuster unserer Schülerinnen und Schüler sowie ungeschicktes Streichern und Zupacken lernte er zu tolerieren oder zu ignorieren. Dabei wird der Hund im Umgang mit den Schülerinnen und Schülern immer von seiner  Hundeführerin begleitet und im Klassenraum hat der Schulbesuchshund einen festen Platz, an den er sich zurückziehen kann.

Durch das freundliche und ausgeglichene, dem Menschen zugewandte Wesen ist der Hund ein idealer Sozialpartner, da er die Schülerinnen und Schüler mit allen Individualitäten so annimmt, wie sie sind und auf ihr Verhalten unvoreingenommen und unmittelbar reagiert. In der Interaktion mit dem Hund können die Schülerinnen und Schüler vielfältige positive Erfahrungen sammeln. Sie können Zuwendung, Kontakt und Nähe erfahren, kommunizieren mit dem Hund, lernen seine Körpersprache kennen, können Ängste abbauen, Rücksichtnahme und soziale Sensibilität erlernen.

Die nonverbale Kommunikation mit dem Hund über Sichtzeichen bietet auch unseren nicht oder schwer verständlich sprechenden Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, dem Hund verschiedene Kommandos zu geben, die er dann ausführt. Die Übernahme von Verantwortung für den Hund und die Erfahrung, dass der Hund die Schüler und Schülerinnen mag, sich freut und ihnen zuwendet, auf sie hört, wenn sie sanft mit ihm umgehen und auf seine Bedürfnisse achten, stärkt das Selbstbewusstsein.

Support:
Alfried Krupp-Schulmedienzentrum